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Wisst ihr noch, wie das damals war?

Eine Großfamilie erlebt das 20. Jahrhundert

***Info*** Beide Ausgaben können versandkostenfrei bei mir bestellt werden; weitere Bestellinfos hier.

So lautet der Klappentext:

"Zwischen 1935 und 1956 brachte die Frau eines mittelfränkischen Dorfschmieds und Landwirts 18 Kinder auf die Welt. Ihre Kindheit und Jugend erlebten sie in relativer Armut vor der Kulisse ständig wechselnder politischer und wirtschaftlicher Gegebenheiten: Weltkrieg, Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, 68er Bewegung.
Die 16 noch lebenden Geschwister geben in diesem Buch Antwort auf die Frage: "Wisst ihr noch, wie das damals war?" Sie erzählten der Autorin in privaten Gesprächen von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihrer Eltern und Großeltern. Daraus wurde schließlich eine ganz individuelle Geschichte des 20. Jahrhunderts.
"

Das Buch ist in einen themenbezogenen und einen chronologischen Teil gegliedert. Subjektive Erlebnisse und sachliche Schilderungen der typischen Lebensumstände im Umfeld der Großfamilie wechseln sich ab, sodass Information und Unterhaltung einander die Waage halten. 

 
So sieht das Cover aus:
Cover "Wisst ihr noch, wie das damals war?"


Eine Leseprobe finden Sie weiter unten - siehe Menü!

Das "Orgelpfeifenbild" auf dem Cover entstand 1958. Ganz rechts meine Großeltern, links von ihnen ihre 17 Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten (Reihenfolge nach Größe, nicht zwingend nach Alter). Meine Mutter als Älteste der 17 Geschwister ist die zehnte Person von rechts.












Bestellinformation:

Mein Buch über die Großfamilie meiner Mutter und ihr Umfeld ist in zwei inhaltlich identischen Ausgaben im BeJot-Verlag Frankfurt am Main, erschienen; es kann problemlos über www.amazon.de, www.libri.de und die meisten Buchhandlungen bezogen werden. Beide Ausgaben sind beim Verlag und bei mir direkt erhältlich. Bei Direktbestellungen entfallen die Versandkosten. Zudem erhalten Direktbesteller auf Wunsch kostenlos wahlweise ein Lesezeichen oder eine Ansichtskarte mit dem Cover als Motiv (solange der Vorrat reicht).

Der Umfang der preisgünstigeren Ausgabe (gleicher Inhalt) beträgt 168 großformatige Seiten mit ziemlich kleiner Schrift (einschließlich mehrerer Fotos), der Preis üblicherweise 12,- Euro. ISBN: 3-934582-14-1. Diese Ausgabe wird demnächst (Stand Anfang 2008) nicht mehr über den Buchhandel erhältlich sein - beim Verlag und bei mir, so lange der Vorrat reicht.

Zusätzlich gibt es die teurere "Lesekomfortausgabe" in größerer/normaler Schrift. Sie umfasst bei identischem Titel, Format und Text 268 Seiten und kostet wegen des Seitenumfangs (für kleine Verlage wird leider jede weitere Seite teurer) üblicherweise 16,- Euro. Leider sind dort die Fotos qualitativ nicht ganz so gut ausgefallen. ISBN: 3-934582-15-X (bei Bestellungen bitte immer die ISBN angeben!).

Hier gelangen Sie durch Anklicken der Cover-Abbildungen direkt auf die jeweiligen Seiten bei www.amazon.de - mit Bestellmöglichkeit. 

Beide Ausgaben sind Paperbacks mit vergleichsweise stabilem Einband. 


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Bücher Bücher, die sich mit Themen des frühen/ mittleren 20. Jh. befassen


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Leseprobe (aus verschiedenen Abschnitten des Buchs):

Aus dem Kapitel "Kinderstreiche und –abenteuer" im themenbezogenen Teil

Am Faschingsdienstag gab es für die Kinder als kleine und heiß geliebte Aufmerksamkeit köstliche Laugenbrezeln, die die Mutter, wie damals üblich, für die erforderliche Menge Mehl und einen Backlohn von zwei Pfennigen pro Stück beim Bäcker kaufte.
Dieses Geschäft lief folgendermaßen ab: Jede Hausfrau besaß ein sogenanntes Backbuch, mit dem sie zum Bäcker ging. Dort wurde eingetragen, wie viel Stück Gebäck von welcher Sorte sie kaufte, und der Bäcker quittierte darin den Empfang des entsprechenden Backlohns. Außerdem vermerkte er, wie viel Mehl für das Gebäck gebraucht wurde. Diese Mehlmenge brachte die Hausfrau dann beim nächsten Mal mit.
Die Laugenbrezeln machten den Faschingsdienstag für die Kinder zum Festtag.
Herbert gelüstete es indessen auch nach und vor dem Faschingsdienstag nach den leckeren Erzeugnissen der Dorfbäckerei. Er erhielt zehn Pfennige Ministrierlohn pro Messe (wie alle Messdiener), und es erschien ihm unangemessen, dass er dafür nicht einmal zwei Brezeln kaufen konnte, denn diese kosteten im gewöhnlichen Verkauf pro Stück sechs Pfennige.
Auf den Kopf gefallen war (und ist) er allerdings nicht, und so hatte er einen glänzenden Einfall. Er "lieh" sich heimlich das Backbuch seiner Mutter und nahm es mit zur Bäckerei. Nun konnte er sich für seinen Ministrierlohn jeweils fünf Brezeln kaufen, weil der Backlohn pro Brezel ja nur zwei Pfennige betrug. Das Mehl brachte die Mutter dann wie üblich beim nächsten Einkauf zum Bäcker.
Trotz des großen Haushaltes fand die ebenfalls nicht dumme Mutter nach einer Weile heraus, dass im Backbuch Brezeln vermerkt worden waren, die niemals durch ihre Hände gegangen waren, und so versiegte Herberts Brezelquelle so plötzlich, wie sie sich aufgetan hatte.

Herberts Liebe in Sachen Genussmittel galt nicht nur den Brezeln. Eines Tages hatte er seinem Vater heimlich eine Zigarre gemopst. Zusammen mit einem Freund hütete er Kühe, und da das liebe Vieh sich ruhig verhielt, hockten sich die Jungen auf einen kleinen Hügel und rauchten abwechselnd.
Kaum ein Viertel der Zigarre war abgeraucht, als plötzlich jemand die beiden Jungen von hinten packte und ihre Köpfe gegeneinander schlug. Es handelte sich um einen Mann aus dem Dorf.
"Ja, dürfts ihr denn schon rauchen? Wo habts ihr die Zigarr'n her?", fragte der Mann sichtlich empört. Die Buben waren recht kleinlaut.
"Soll ich's bei euch daheim sagen?", fuhr der Verfechter von Recht und Ordnung grimmig fort.
"Nein!", baten die Kinder.
Daraufhin nahm er ihnen die Zigarre ab, drückte die Glut aus und steckte das gesundheitsschädliche Spielzeug ein, höchstwahrscheinlich, um es zu Hause in Ruhe selbst zu genießen. Denunziert hat er die Jungen jedenfalls nicht.
Es war durchaus üblich, dass Dorfbewohner, die ein Kind bei einer "unrechten" Tat erwischten, diesem umgehend eine Watsch'n gaben oder den Hosenboden versohlten, auch wenn es sich nicht um den eigenen Nachwuchs handelte. Damit hatte sich die Sache erledigt; zu Anzeigen wie heute kam es nicht. Die Kinder kannten die Regeln und hielten sich auf ihre Weise daran, indem sie danach trachteten, sich nicht erwischen zu lassen. Denn allzu viel Nachsicht war nicht zu erwarten.

Den Spaß am verbotenen Rauchen ließ Herbert sich dadurch nicht verderben. Er und seine Freunde schwänzten den Werkunterricht und gingen stattdessen in den Wald, um zu rauchen. Ein Klassenkamerad hatte nämlich zufällig genug Geld, um die Runde zu versorgen. Unterwegs bedienten sie sich großzügig bei des Lehrers Erdbeeren und den Johannis- und Stachelbeeren anderer Mitbürger.
Nachdem sie eine Weile in den Bäumen gesessen und geraucht hatten, wurde ihnen etwas unwohl. Auf Trampelpfaden gingen sie ins Dorf zurück, und unterwegs begegnete ihnen unvermittelt der Lehrer. Er nahm die Sünder mit und legte sie übers Knie. Das Ausmaß der Strafe staffelte er altersabhängig. Natürlich setzte er auch die Väter der Jungen von deren Vergehen in Kenntnis, sodass die Kinder zu Hause eine weitere Tracht Prügel kassierten.

Als Wendelin und Heinrich im Internat waren, mussten sie regelmäßig mit frischer Wäsche versorgt werden. Herberts Berufsschule befand sich wie auch das "Seminar" in Neumarkt, daher fiel ihm die Aufgabe zu, wöchentlich einen großen Koffer mit sauberer Wäsche ins Seminar zu bringen und die gebrauchte Wäsche nach Hause zu schaffen.
Oftmals gab ihm die Mutter auch Brat-, Leber- und Blutwürste für ihre "externen" Kinder mit. Die Bratwurstrationen trafen allerdings stets stark dezimiert ein, weil Herbert sie als Wegzehrung einsetzte. Die ganze Familie kannte Herberts intensive Liebe zu den selbstgemachten geräucherten Bratwürsten (die anderen Kinder verachteten sie ebenfalls nicht). Wenn auch die Anzahl der Würste meistens noch stimmte, so waren sie doch wesentlich schmaler geworden und sonderbar deformiert. Nicht anders erging es den Würsten in der heimischen Räucherkammer. Eines Tages entdeckte Herbert dort fünf Bratwürste, die schon ziemlich stark eingetrocknet waren. Begehrlich beobachtete er sie einige Tage lang, dann fragte er die Mutter: "Ja, willst du denn die Bratwürste gar nicht mehr 'runterholen?"
"Du bist doch ein ganz Dummer", erwiderte Maria Abt, "für dich hab' ich sie ja hängen lassen!"
Im Grunde ist diese kleine Anekdote ein schöner Beweis dafür, dass die Mutter es verstand, trotz der riesigen Kinderschar ein wenig auf jeden einzeln einzugehen.

Als Herbert wieder einmal mittags nach der Berufsschule den schweren Koffer zum Seminar schleppte, begegnete ihm der kräftige Direktor der Berufsschule und meinte: "Ja, Buabala [Bübchen], wo willst du denn jede Woche mit dem großen Koffer hin?" Herbert erklärte es ihm. Der Direktor, der eigentlich nur ein paar Meter weiter zu gehen hatte, erwiderte daraufhin großzügig: "Ach, Buabala, den trag i dir."
Beim nächsten Mal passte Herbert unauffällig den Direktor ab und richtete es so ein, dass dieser ihm wieder den Koffer trug. Von da an wusste er, wie er das Schleppen vermeiden konnte.

Die oben geschilderte Liebe zu den Bratwürsten bewies Herbert übrigens noch als junger Erwachsener. Bernhard, sein jüngster Bruder, half Herbert oft in der väterlichen Schmiede. Dieser musste gelegentlich nach Nürnberg oder Neumarkt zum Arbeiten oder Einkaufen fahren. Vor dem Start passte er einen günstigen Moment ab und sagte zu Bernhard: "Geh schnell in die Räucherkammer und hol zwei Paar Bratwürste!" Kam Bernhard mit dem Gewünschten zurück, sprang Herbert rasch ins Auto, wo er die Beute glücklich lächelnd ohne Brot oder eine andere Beilage verzehrte.

Unter den Jungen ging es oftmals rau zu. Engelbert und Hartmann bildeten jedoch eine starke Allianz. Zusammen waren sie so gut wie unbesiegbar, sogar für ältere und stärkere Burschen.
Eines Tages wetteten sie mit solch einem Jungen, dass es ihnen gelingen werde, ihm die Hose herunterzuziehen und ihm anschließend einen edlen Körperteil mit Eisenlack zu beschmieren. Trotz aller Widrigkeiten – einer der beiden musste die Hose herunterziehen und lackieren, der andere, körperlich dem Gegner weit Unterlegene, diesen festhalten – glückte die Wette. Die beiden prahlten mit ihrer Heldentat vor einem noch älteren Jungen, Felix [Name geändert]. Dieser lachte und erwiderte: "Bei mir schafft ihr gar nix!"
Engelbert und Hartmann hielten sportlich, wie sie nun einmal waren, dagegen, und so kam es zum Abschluss einer neuerlichen Wette. Die drei Burschen beschlossen, dass man sich hinterher wieder gut sei, wie auch immer die Sache ausgehe. In der Schmiede wurde die Wette durchgeführt.
Nun gelang es den beiden kleinen Abts erstaunlicherweise, auch Felix zwischen den Beinen ordentlich mit dem aggressiven Eisenlack zu bepinseln. Felix hielt sich jedoch nicht an die Friedensabmachung, da er in Jähzorn geriet. Er griff sich vom Schleifbock eine Hacke und warf sie dem flüchtenden Engelbert nach. Dieser hörte sie an seinem Kopf vorbeirauschen. Doch er hatte Glück, sie traf nicht.
Noch wütender wurde Felix, als er später bemerken musste, dass ihm die beiden Lausbuben, die ihm so übel mitgespielt hatten, durchs Fenster bei der Reinigung zusahen. Da stand Felix nun, je einen Spiegel in Beckenhöhe vor und hinter sich, und säuberte die betroffenen Stellen mit einem Herdputzmittel. Das muss höllisch wehgetan haben, denn solche Reiniger waren damals sehr aggressiv und enthielten zudem Sand.

Felix wurde von den kleineren Buben des Dorfes auch oft wegen seiner abstehenden Ohren geneckt. Sie fragten ihn frech: "Felix, fliegen wir nach Berlin?" Das ließ ihn fuchsteufelswild werden. Wenn er jedoch auf Engelbert losging, der nicht so flink und wendig war wie sein Lieblingsbruder, half ihm Hartmann. Solchermaßen zwischen zwei Fronten gezwungen, konnte sich der große Junge der Plagegeister nie recht erwehren.
Kinder können grausam sein, und wehe dem, der in irgendeiner Weise anders ist und sich dann auch noch provozieren lässt!
Ein beliebtes Ziel verletzenden Kinderspottes waren der damalige Bäcker und seine Frau, genannt "Beck" und "Beckin". Für sie gab es das in sicherer Deckung vorgetragene Spottlied:
"Beck, verreck
hinter der Heck!
Reck dein' A… [llerwertesten] zum Fenster 'raus,
dann moant [meint] ma, es is' a Weck [Semmel]!"
Die Opfer des Verses reagierten entsprechend wütend, was die darüber höchst erfreuten Dorfkinder natürlich nur noch mehr anstachelte.
Auch Geschwister waren vor bösartigen Reden nicht sicher. Jahrelang litt Adelgunde unter den Sprüchen der Brüder, die ihr erklärten, dass sie ihrem einen Tag nach der Geburt verstorbenen Zwillingsbruder im Mutterleib die Lunge eingedrückt habe.


Aus dem Kapitel "Nachkriegszeit und Währungsreform" im chronologischen Teil

Das Ehrenamt des Bürgermeisters, um bei dem oben angeschnittenen Thema wieder anzuknüpfen, brachte für den Vater einen ungeheuren Arbeitsaufwand mit sich, und das Familienleben litt sehr darunter. Der Bürgermeister war am sichersten zur Essenszeit daheim anzutreffen, sodass zu den Mahlzeiten grundsätzlich die verschiedensten Leute in der Stube auftauchten, um ihre Angelegenheiten mit dem Bürgermeister zu regeln. Für Gregor Abt bedeutete das Ehrenamt zudem, Anfeindungen und geschäftliche Einbußen hinnehmen zu müssen.
Auch nach dem Krieg gab es Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Waren wie Kleidung, Schuhe, Eisenwaren, Kochgeschirr und so weiter. Das änderte sich erst nach der Währungsreform. Am 1.5.1950 wurde die Rationierung von Zucker beendet, und damit entfielen die letzten Lebensmittelmarken.
Die Bauern waren verpflichtet, entsprechend der Größe ihres Anwesens und der Qualität, das heißt der zu erwartenden Erträge, ihrer Felder Getreide, Kartoffeln und Fleisch abzuliefern, die dann der auf diese Nahrungsmittel angewiesenen Bevölkerung zugeteilt werden konnten. Zur Bestimmung dieser Mengen gab es gesetzlich vorgeschriebene Kommissionen von drei oder vier Personen, denen auch der Bürgermeister angehörte.
Vater Abt als Bürgermeister verkörperte zugleich die Ortspolizeibehörde. Mit den Kommissionsmitgliedern, oftmals von einem Gendarmen (so wurden die Polizisten damals bezeichnet) begleitet, ging er von Hof zu Hof und legte fest, wie viel die einzelnen Bauern abzugeben hatten. Gregor Abt kannte natürlich die Anbauflächen der einzelnen Bauern und wusste, wie in jedem Jahr die Ernte ausgefallen war. Es kam vor, dass Bauern bestritten, die angegebene Menge überhaupt geerntet zu haben, und eine wesentlich geringere "Gesamternte" vorzeigten. Der Vater fragte dann sehr eindringlich nach und redete diesen Bauern ins Gewissen, damit sie schließlich doch aufrichtige Angaben machten. Fruchtete dies nicht, musste der Hof von den Kommissionsmitgliedern nach eventuell verstecktem Getreide und Kartoffeln durchsucht werden. Manche sahen nicht ein, dass der Bürgermeister und die anderen Kommissionsmitglieder nur ihre Pflicht taten und keineswegs willkürliche Absprachen trafen. In einigen Fällen wurden solche Einsätze seitens der Uneinsichtigen von Beschimpfungen, Drohungen und gelegentlichen Handgreiflichkeiten begleitet, sodass sogar Polizeieinsätze nötig wurden. Geschäftsboykotte durch diese Bauern und andere, die sich ungerecht behandelt fühlten, waren die mittelfristige Folge.
Verstecke gab es viele. Scheinbar mit Stroh oder Heu gefüllte Schober ließen sich "aushöhlen", man konnte Zwischenwände einziehen, die unterschlagenen Vorräte in Gärten, auf Feldern oder gar im Wald vergraben und Hühnerställe oder Taubenschläge damit füllen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Besondere Schwierigkeiten brachte das Amt mit sich, als die Flüchtlinge eintrafen. Die Dörfer, besonders jene in Bayern, wurden regelrecht mit Flüchtlingen überflutet, die vorwiegend aus dem ehemaligen Sudetengau, insbesondere der Gegend um Eger, zu einem geringeren Teil aus Schlesien, Böhmen, Ungarn, der Slowakei und Ostpreußen stammten. Ebenrieds Einwohnerzahl verdoppelte sich innerhalb kürzester Zeit beinahe. Die Vertriebenen gelangten vom Sammellager Hilpoltstein aus auf Lastwagen nach Ebenried und wurden dort vor dem Haus des Bürgermeisters abgeladen. Dieser hatte nun die undankbare Aufgabe, die Zwangseinquartierungen bei den Hausbesitzern, vorwiegend Bauern, vorzunehmen. Manchen Gehöften mussten mehrere Parteien zugewiesen werden. Diese Einquartierungen stellten eine schwierige Angelegenheit dar; es galt, den vorhandenen Platz und die Möglichkeiten der Familien zur Versorgung der Flüchtlinge zu erwägen. Denn bis die Flüchtlinge eigene Arbeit gefunden hatten, mussten ihre unfreiwilligen Gastgeber sie versorgen. Und kaum jemand war damals auf Rosen in Form überflüssigen Besitzes gebettet.
Es spielten sich häufig dramatische und mitunter auch beschämende Szenen ab. Nicht anders als im übrigen "Restdeutschland" wollte kaum jemand wildfremden Menschen, deren Sprache zudem sehr schwer verständlich war, Unterkunft gewähren. Es kam vor, dass der Vater mit Härte, Strafandrohungen und sogar Polizeigeleit vorgehen musste, zumal, wenn der Abend hereinbrach. Er konnte wohl kaum eine Lastwagenladung Menschen in seinem Hof übernachten lassen.

Nicht nur bei den Abts fehlte es nun an allem: Betten, Tischen, Stühlen, Geschirr, Koch- und Waschmöglichkeiten, Brennmaterialien, Gefäßen für Wasser, Kleidung, Schuhwerk, Windeln für Babys, ja selbst Streichhölzern und Kerzen fürs Licht, denn nicht jeder belegte Raum war mit Licht ausgestattet, geschweige denn beheizbar; oft handelte es sich lediglich um Bretterverschläge.
Bei den Flüchtlingen handelte es sich vor allem um alte Menschen und Frauen mit Kindern jeden Alters, die oftmals nicht wussten, ob ihre Männer noch lebten, sich in Gefangenschaft befanden oder gefallen beziehungsweise in Lagern gestorben waren.
Damit die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge gestillt werden konnten, musste ständig improvisiert und organisiert werden. Die Menschen führten Ofenrohre durchs Fenster, wenn ein Kaminanschluss fehlte. Dazu baute man eine Glasscheibe aus und setzte stattdessen ein Stück Blech mit einer Durchführung für das Rohr ein. Das herabtropfende Kondensat wurde in alten rostigen Büchsen aufgefangen. Alte Büchsen nahm man auch als Wasserschüsseln – und so weiter.

Eines Abends, als die Familie beim Abendbrot zusammensaß, traf ein neuer Flüchtlingstransport ein. Unter den Flüchtlingen war eine junge Mutter mit vier Kindern, die verzweifelt weinte. Sie hatte den ganzen Tag nichts zu essen bekommen und konnte aufgrund ihrer Entbehrungen ihren Säugling nicht mehr stillen.
Ruhig und bestimmt, wie es ihre Art war, sagte Maria Abt daraufhin zu ihrem Nachwuchs: "Kinder, steht auf, ihr könnt getrost auf eine Mahlzeit verzichten."
Die Bürgermeisterfamilie bekam auf diese Weise das Flüchtlingselend hautnah zu spüren. Maria Abt konnte sich dem gegenüber nicht gleichgültig verhalten. Oft verschenkte sie Federn für Bettzeug, Brot, Teller mit Suppe und was sonst noch benötigt wurde, obwohl ihre eigene Familie im Grunde nichts übrig hatte. Den Müttern von Säuglingen schenkte sie Babyfläschchen, die sie anschließend nachkaufen musste.

Das Elend der Flüchtlinge war unvorstellbar. Fahrmöglichkeiten in andere Orte, etwa zum Arzt oder zur Apotheke, gab es nicht. Das Vorhandensein von Lebensmittelmarken und Bezugsscheinen bedeutete noch lange keine Einkaufsmöglichkeit. Darunter litten selbstverständlich auch die Alteingesessenen. Der Mangel selbst an den notwendigsten Ersatzteilen lässt sich nicht beschreiben. Bezugsscheine für Schuhe und Kleider, Glühbirnen, Kochgeschirr, Haushalts- und Eisenwaren, schier alles musste der Bürgermeister von dem vorhandenen Kontingent ausstellen. Dies fand meist in der Abtschen Stube statt, in der sich zudem noch die Familie aufhielt. Nicht selten warteten die Menschen in einer Schlange, bis sie an die Reihe kamen. Um einen Bezugsschein zu erhalten, mussten sie beispielsweise ihre Schuhe oder nicht mehr flickbare Kleidung vorzeigen. Manche wurden zwangsläufig abgewiesen, hatten sie doch erst vor kurzem einen Schein erhalten, oder ihre alten Stücke konnten noch ein wenig getragen werden. Die Kinder wurden zu Zeugen Mitleid erregender Szenen mit Tränen und Heulen. Drohungen wurden dem Vater, aber auch den Kindern entgegengeschleudert, und Unzufriedene blieben der Schmiede fern. Doch welche Wahl hätte der Vater gehabt angesichts der so streng begrenzten Kontingente?
Hier und da kam es zu nächtlichen Krawallszenen rund um das Abtsche Haus, die an Psychoterror grenzten. Leute schlugen unter lautem Gebrüll Stecken an die Fensterläden und versetzten damit die aus dem Schlaf schreckenden Hausbewohner in Angst. Abends vor dem Zubettgehen fürchteten sich die Kinder schon vor der Nacht, in der sich der Spuk vielleicht wiederholen würde. Diese Vorfälle gab es über längere Zeit. Dass sie auch die Nerven der Eltern belasteten, muss sicher nicht besonders hervorgehoben werden.
Zwei oder drei erbitterte Feinde des Vaters verabredeten sich im Wirtshaus, den verhassten Bürgermeister auf dem Rückweg von einer im Nachbarort stattfindenden Hochzeit abzupassen und "aufzuarbeiten". Es war frostiger Winter, und er wäre mit Sicherheit gestorben, wenn sie ihn zusammengeschlagen und liegengelassen hätten. Der Schmiedegeselle der Abts hörte die Unterhaltung jedoch mit und warnte seinen Chef. Dieser blieb daraufhin über Nacht im Nachbarort und entging so dem Anschlag.

1947 war ein ausgesprochenes Dürrejahr; dies führte zu Missernten. Im Sommer war eine Vertriebene mit ihren Kindern in einen zur Gemeinde gehörenden Ort zwangseingewiesen worden. Am nächsten Morgen erschien sie mit ihren Kindern beim Bürgermeister, verheult und schluchzend. Dieser konnte sie wegen der Tränen und ihres ostpreußischen Dialekts zunächst nicht einmal verstehen. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, stellte sich heraus, dass der Bauer, sonst ein Vorzeigechrist, ihr nicht einmal Wasser, geschweige denn Milch für die Kinder gegeben hatte mit der Begründung, das wenige Wasser brauche er in dieser Trockenzeit für seine Kühe. Der Vater sprang sofort auf und fuhr zu dem Bauern. Was er diesem sagte, ist nicht bekannt, doch anschließend hatte Gregor Abt wieder einmal einen Kunden weniger.
Immer wieder musste er zwischen den Vertriebenen beziehungsweise Flüchtlingen oder auch den Ausgebombten aus Nürnberg, die im Dorf untergebracht waren, und den Einheimischen schlichten. Dabei handelte er stets uneigennützig.
Verstehen kann man, wie bereits angedeutet, auch die Einheimischen. Die meisten besaßen nicht mehr als das unbedingt Notwendige, und davon sollten sie wildfremden Menschen vieles abgeben. Die wir heute gemütlich in unseren Wohnungen und Häusern sitzen, sind kaum in der Lage, uns vorzustellen, was es heißt, urplötzlich den Wohnraum mit fremden Familien zu teilen, mit denen man sich nicht einmal richtig verständigen kann.
Jede deutsche Familie hatte Angehörige zu beklagen, bangte um Vermisste und Kriegsgefangene aus dem engsten Kreis und litt unter den Entbehrungen und den verschiedenartigen Wirren der Nachkriegszeit; vielfach empfand man ein Gefühl der Ausweglosigkeit Wie sollte man in dieser Situation noch die Kraft zum tätigen Mitleid mit anderen aufbringen, die zusätzlich zu diesen Erfahrungen den unverständlichen Verlust der Heimat erfahren hatten?
Der Bürgermeister wurde mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert, weil auch die durch das Rote Kreuz oder anderweitig übermittelten Todesnachrichten durch seine Hände gingen. Amtlich zu machende Todeserklärungen mussten über den Bürgermeister abgegeben werden, damit Hinterbliebene eine Kriegs-, Witwen- oder Waisenrente erhielten. Für die Betroffenen stellte dies eine deprimierende und beschämende Handlung dar, zusätzlich zu dem Leidensdruck, dem sie ohnehin ausgesetzt waren; Angehörige feindeten sie oftmals an, und die Gesellschaft sah sie nicht selten als Schmarotzer. All diese inneren Konflikte, all das Leid mussten ohne psychologischen Beistand überwunden werden. Die Abt-Kinder wurden mit den erschütternden Geschichten Betroffener konfrontiert, der Mutter unter Tränen vorgetragen, wenn ihr Mann nicht anwesend war. Still hörte sie den Verzweifelten zu, ohne helfen zu können, doch oftmals brachte wenigstens ihr offenes Ohr ein wenig Linderung.


pansies

Spezielle Links, die mir bei der Recherche oder beim Verstehen der nicht immer so guten alten Zeit halfen:

Allgemein zur neueren deutschen Geschichte:

"Deutschland" nach Napoleon
Vormärz
Flugschriften aus der Revolution 1848
Die Revolution von 1848
Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts
Die Kolonien der Deutschen
Bismarck, Imperialismus und Kolonialpolitik
"Zukunft braucht Erinnerung"
Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Monarchen von Deutschland, England und Rußland
Holocaust

Nazizeit und -tum

Erlässe, Dokumente 1939-45
Hitler-Biographie
Kirche und Widerstand
Linksammlung Nationalsozialismus
Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus


Der Widerstand im Dritten Reich

Umfangreiche Linksammlung
Widerstandsgruppen (ebenfalls Links)
 

Zum 2. Weltkrieg, wie ihn die Zivilbevölkerung erlebte:

Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene

Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter
Zwangsarbeit
Briefe von ehemaligen Laufer Zwangsarbeiter (inne)n
Zeitzeuge Zwangsarbeit

Fliegerangriffe am Ende des 2. Weltkriegs und letzte Kriegstage

Großeltern erzählen - Schulprojekt
Kriegsende für ein Dorf
Kriegsende eines fränkischen Dorfes
Ein Tagebuch aus dem Jahr 1945
Zeitzeugenberichte aus dem Raum Karlsruhe

Wiederaufbau und Entnazifizierung

Zur Entnazifizierung
Der Morgenthau-Plan
Der Marshall-Plan / The Marshall Plan (Englisch)
 

17. Juni 1953

Zeitzeugenbericht
 

Wirtschaftswunder

Infomaterial des Bundestags
aus "50 Jahre Deutschland"
 

Mauerbau 1961

Dokumente und Bilder zum Herunterladen

Die Zeitzeugen-Reihe des Zeitgut-Verlags

http://www.zeitgut.com; Zeitzeugenberichte zu verschiedensten Themen chronologisch und/ oder thematisch geordnet

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Leider ist das Internet sehr schnellebig, insbesondere bezüglich politischer Themen. Daher verschwinden immer wieder Homepages, die ich verlinkt habe. Ich bin sehr dankbar für alle Hinweise auf tote Links und bitte Sie darum, ihr Vorhandensein gegebenenfalls zu entschuldigen.


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Bücher mit Themen des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts, die ich gelesen habe, und die mich beeindruckt und erschüttert haben:

Joachim Fest: Der Untergang - Hitler und das Ende des Dritten Reiches (über die letzten Tage Hitlers; auch die Frage, wie es zum Dritten Reich kommen konnte, wird angeschnitten); meine Amazon-Rezension
Traudl Junge: Bis zur letzten Stunde (Hitlers jüngste Sekretärin erzählt ihr Leben); meine Amazon-Rezension
Martha Schad: Frauen gegen Hitler (Sophie Scholl war keineswegs die einzige Frau im Widerstand); meine Amazon-Rezension
Charlotte Hofmann-Hege: Alles kann ein Herz ertragen (1913 darf eine arme deutsche Waise "für ein Jahr" zu wohlhabenden Verwandten in die Ukraine; durch eine Verkettung unglücklicher Umstände kann sie erst nach 55 Jahren zurückkehren - von sibirischen Straflagern gezeichnet)
Stéphane Courtois et al.: Das Schwarzbuch des Kommunismus (das Gegenstück zum braunen Terror, kaum minder schrecklich)
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben
Imre Kertész (Nobelpreis 2002): Roman eines Schicksalslosen (ein ungarisch-jüdischer KZ-Überlebender erzählt im Stil der Satire sein Leben im Lager);
meine Amazon-Rezension
Liana Millu: Der Rauch über Birkenau (Frauenschicksal im KZ);
Rolf Magener: Die Chance war Null (die abenteuerliche Flucht eines in einem indischen Lager internierten Deutschen)
Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen; Anmerkungen zu Hitler
Hans J. Massaquoi: "Neger, Neger, Schornsteinfeger!" (Der Sohn einer Deutschen und eines Liberianers überlebt die Nazi-Diktatur.)
Zeitgut-Verlag: Lebertran und Chewing Gum - Kindheit in Deutschland 1945-1950
meine Amazon-Rezension; Zwischen Kaiser und Hitler (Kindheit und Jugend 1914-33); Kein Weg führt zurück (Flucht und Vertreibung) aus der Reihe "Zeitgut" und viele mehr
Eugen Kogon: Der SS-Staat - Das System der deutschen Konzentrationslager
Jörg Friedrich: Der Brand (über den Bombenkrieg in Deutschland); meine Amazon-Rezension
Hans-Peter Schwarz: Das Gesicht des Jahrhunderts (Politikerportraits); meine Amazon-Rezension
Hannah Vogt: Schuld oder Verhängnis?
(meines Wissens vergriffen, nur antiquarisch erhältlich)

Annedore Leber/ Freya Gräfin v. Moltke: Für und Wider - Entscheidungen in Deutschland 1918-1945 (meines Wissens vergriffen, nur antiquarisch erhältlich)
Stefan Brauburger: Die Nervenprobe (über die Kubakrise); meine Amazon-Rezension
Kurt K. Keller: Vom Omaha Beach bis Sibirien - Horror-Odyssee eines deutschen Soldaten (keine klassische Landser-Literatur); meine Amazon-Rezension 


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Meine ausländischen Brieffreundinnen erzählen die tragischsten Geschichten ihrer Eltern und Großeltern vom 2. Weltkrieg 

Ich habe mich bemüht, beim Übersetzen aus dem Englischen den Originalstil möglichst unverändert beizubehalten.

Shizuka aus Japan schreibt:

Ich habe über die Atombombe in Hiroshima von meinem Vater gehört. Er hat tatsächlich die pilzförmige Wolke gesehen und einen Artikel darüber für eine Lokalzeitung geschrieben. Mein Vater hat mir eine Kopie davon gegeben. Nun, ich könnte dir gar nicht so ohne weiteres schreiben, wenn der 2. Weltkrieg eine Woche länger gedauert hätte. Ich weiß, dass du es seltsam finden wirst, wenn ich so etwas sage, wo ich doch nach dem Krieg geboren wurde, aber du wirst am Ende der Geschichte, die ich dir nun schreibe, sehen, was es bedeutet. Mein Vater ist 14 Jahre älter als meine Mutter, und meine Mutter ist seine zweite Frau. So kannst du dir nun ableiten, dass mein Vater wesentlich älter ist als die Väter meiner Freundinnen.

Mein Vater war im Alter von 19 und 20 Jahren ein Admiral der Nachhut der japanischen Marine. Im Juli 1945 bezog er seinen neuen Posten im Marinecorps, der sich in einer nahe Hiroshima gelegenen Stadt befand. Zu dieser Zeit griffen die USA Okinawa an, und es hieß, die amerikanische Armee werde bald beginnen, die Hauptinsel Japans zu attackieren. Noch betrafen die Kämpfe hauptsächlich das US- und das japanische Heer, so dass die Marineangehörigen noch nicht in das Kampfgeschehen verwickelt gewesen waren.
Am Morgen des 6. August (ein Montag) hörten mein Vater und seine Kameraden einen Sirenenalarm, und Tieffliegeralarmsirenen jaulten, als sie von einem Gebäude des Marinecorps in ihre Baracken zurückgingen. Sie beobachteten den Himmel über Hiroshima, wohin ein Wachmann deutete. Dort sahen sie zwei amerikanische Bomber, die wie B 29 aussahen und vom Süden her auf Hiroshima zuflogen. Da es nur zwei Flugzeuge waren, dachten sie, es handle sich um Aufklärer. Doch dann hörten sie den Wachmann rufen: "Die feindlichen Flugzeuge stürzen ab! Ein Fallschirm!" Sie dachten, die Flugzeuge seien von der japanischen Armee abgeschossen worden. Und sie beobachteten, wie die Maschinen langsam abstiegen und ein weißer Fallschirm sehr langsam nach unten schwebte. Und dann, als sie in den Baracken ankamen und sich auf ihre Betten setzten, schoss ein unbeschreiblich greller, blendender Lichtblitz vom Fenster her durch ihr Zimmer! Und einen Augenblick später ließ ein plötzliches und gewaltiges Geräusch wie ein Peitschenknall die Baracken erzittern.
Sie stürzten aus dem Gebäude. Draußen sahen sie eine gewaltige, pilzförmige Wolke im Himmel in der Richtung von Hiroshima stehen. Sie war wirklich riesig und wuchs noch. Es wirkte, als ob der obere Rand der Wolke fast die Stratosphäre erreicht hätte. Unter der Wolke war es dunkel, und dunkler Rauch, der vom Boden aufstieg wie Sprühregen unter einer [normalen] Wolke, sandte ständig kleine Blitze aus. Es sah aus, als sei Hiroshima völlig von der Wolke bedeckt.
Was in aller Welt [original:What the hell] war geschehen? War eine neue Waffe eingesetzt worden? Wenn ja, was für eine? Sie sprachen stundenlang darüber. Da die US-Armee die Hauptinsel angreifen wollte, wusste jeder, dass es zu jener Zeit in Hiroshima eine Menge Sprengstoffmagazine zur Abwehr der Amerikaner gab. Die Flugzeuge hätten natürlich in ein solches Magazin gestürzt sein können. Um etwa 19 Uhr stellte sich heraus, dass es sich um eine Atombombe handelte. Die Bomber (B 29) hatten sich lediglich im Sturzflug in Sicherheit gebracht. Also war kein Flugzeug abgestürzt, und niemand war mit dem Fallschirm abgesprungen. Es war die neue Bombe, die an dem Fallschirm gehangen hatte.

Gegen 20 Uhr an diesem Tag wurden viele von der Bombe betroffene Menschen aus Hiroshima in ein Krankenhaus gebracht. Sie hatten entsetzliche Verbrennungen und waren am ganzen Körper bis auf die Augen bandagiert. Sie waren alle sehr durstig und verlangten nach Wasser. Zu viele Opfer wurden auf einmal ins Krankenhaus gebracht, als dass man sich ihrer hätte annehmen können. Und leider starb mehr als die Hälfte der Opfer vor Tagesanbruch.

Am Morgen des 7. August wurden sie [offiziell] informiert, dass es sich bei der neuen Bombe um eine Atombombe handle, dass Hiroshima verwüstet sei und die Folgen der bei der Detonation ausgesandten Hitzestrahlung noch nicht abzusehen seien. Sie waren schockiert.

Fünf Tage später kamen mein Vater und seine Einheit auf dem Weg zu einem anderen Standort durch Hiroshima. Was sie sahen, war … die Hölle. Im Herzen der Stadt war alles völlig verkohlt, und sie sahen im Bahnhof von Hiroshima viele Leichen in den durch die Detonation verformten Zügen. Es roch dort übel, und Verwesungsflüssigkeit, Blut und so weiter der Leichen sickerte aus einem Türritz.
Die Fensterschreiben und die Dächer der Gebäude waren durch die Detonation in die Luft geflogen, und die Gebäude waren verbrannt und lagen in Trümmern. Kein Mensch war zu sehen. Es sah aus wie das Kolosseum in Rom.

Alle dachten, der Krieg werde noch schlimmer. Sogar die Marinesoldaten trainierten in den Bergen.
Am 14. August gab es kurz nach Mittag wieder Fliegeralarm, als sie sich in den Bergen aufhielten. Eine Formation von 15 B 29 tauchte auf, und sie warfen Bomben in eine andere Stadt in der Nähe von Hiroshima [Nagasaki]. Mein Vater und seine Kameraden beendeten ihr Training wie vorgesehen und besuchten dann einen Korrespondenten des Marinecorps. Der Korrespondent sagte ihnen: "Es gibt einen seltsamen Radiosender." Es war die "Voice of America", die sie oft anhörten, doch diesmal hörte mein Vater einen Mann auf Japanisch sagen, dass Japan endlich die Potsdamer Erklärung annehme und bedingungslos kapituliere, und am folgenden Tag die Rede des japanischen Kaisers gesendet werde. Dies war schwierig zu glauben, zumal die Sendung unerwartet kam, und so erwähnte mein Vater vorläufig nichts davon anderen gegenüber. Am nächsten Morgen wurden alle zusammengerufen und darüber informiert, dass der Krieg zu Ende sei. Einige sahen ernst drein, andere wirkten erleichtert und begannen zu lächeln, einige weinten leise. Es war eine Woche, bevor mein Vater an die Front hätte gehen müssen.

Sofort danach wurde das Training abgesagt. Aber das Marinecorps musste noch einige Tage lang für Ordnung sorgen. Mein Vater ging in die Stadt, die am 14. bombardiert worden war [Nagasaki]. Auch dort sah er unzählige Leichen. Einige von ihnen waren durch die Detonation zerfetzt worden. Wenn der Krieg einen Tag früher geendet hätte …
Am 20. August zerstreuten sich die meisten Soldaten und Marineangehörigen und gingen nach Hause. Die Farben Japans wurden beim Marinecorps heruntergeholt, und es wurde dort still.

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Victoria aus der Ukraine schreibt:

Ach so, ja, meine Geschichte … Meine Mutter ist die Jüngste in der Familie, und sie war zu jener Zeit ein kleines Mädchen … Meine Tante (ihre ältere Schwester) war vom Anfang bis zum Ende des Krieges an der Front, doch von ihr konnten wir kaum etwas erfahren. Wenn ich sie fragte, antwortete sie meistens: "es war schwer und schrecklich …" Meine Großeltern lebten während der Besatzung in einem Dorf … Sie sagten, es sei schrecklich gewesen, als die Rumänen in das Dorf kamen … Kurz vor der deutschen Besatzung hatte ein deutsches Aufklärungsflugzeug einen Unfall und stürzte in der Nähe des Dorfes ab. Meine Großeltern halfen den Fliegern und behandelten sie … Mein Onkel (er war ungefähr 14 zu dieser Zeit) konnte ein wenig Deutsch, daher sprach er viel mit ihnen, man kann vielleicht nicht sagen, dass sie Freunde wurden – es wäre wohl eine sonderbare Art von Freundschaft gewesen, doch sie unterhielten sich viel über alles Mögliche … Dann besetzten die Deutschen diese Gegend, und die Flieger waren zu ihrer Einheit zurückgekehrt, die in diesem Dorf stationiert war. Eines Tages gab es eine Anweisung – die Deutschen verdächtigten die Dorfbewohner, mit den Partisanen Kontakt zu halten, daher nahmen sie sie gefangen und schlossen sie in ein ehemaliges Bauernhaus ein. Und sie wollten das Gebäude mitsamt den Leuten anzünden … Spät in der Nacht kam eine alte Frau zu meiner Großmutter und sprach sie auf die deutschen Flieger an. Ursprünglich hatte niemand darüber gesprochen, dass meine Großmutter den deutschen Fliegern geholfen hatte, zumal diese alles getan hatte, um niemanden davon wissen zu lassen, aber es handelte sich halt um ein Dorf … Offensichtlich kann man dort nichts richtig geheim halten … Und diese alte Frau forderte meine Großmutter auf, meinem Onkel zu erlauben, mit den deutschen Fliegern zu sprechen und sie darum zu bitten, etwas gegen diese schreckliche Bestrafung zu unternehmen. Und … es half … Fast das gesamte Dorf wurde gerettet, nachdem mein Onkel mit den deutschen Fliegern geredet hatte … Niemand weiß, was danach im einzelnen geschah, doch am nächsten Tag wurde die Anweisung vernichtet, und alle Leute durften nach Hause gehen. Das ist die Geschichte, die ich von meiner Großmutter über diese Zeit gehört habe. Es war hier besonders schrecklich, die Leute waren unter doppelter Besatzung – auf der einen Seite die deutsche Armee und auf der anderen unser Regime … Die Leute versuchten, sich vor der deutschen Polizei zu verstecken, um nicht als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt zu werden, und sie versuchten auch, sich vor unserer Polizei zu verstecken, um nicht nach Sibirien oder in den Norden deportiert zu werden. Vor einem konnten sie sich nicht verstecken – vor der Front. Fast alle Männer waren dort – und die Frauen mit den Kindern litten schrecklich.

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